Aufgeben können wir immer noch —
JETZT NICHT.
We can always give up — NOT NOW.
Schlussstein der OEM-Reihe nach VW, BMW und Mercedes — und der Sonderfall, denn Ford ist kein deutscher Konzern, sondern eine deutsche Tochter eines amerikanischen Herrn. Ein selbstbestimmtes Werk besitzt dreierlei Substanz: die Verfügung über das eigene Schicksal, die Bürgschaft fürs Überleben, die eigene Technik. Bei Ford in Deutschland ist alle drei aufgezehrt. Erstens die Verfügung: Saarlouis verlor einen konzerninternen Wettbewerb gegen Valencia (rund 9.000 Arbeitsplätze vernichtet, letztes Auto November 2025), Köln baut in Raten ab — entschieden wird in Dearborn. Zweitens die Bürgschaft: Der Mutterkonzern kündigte die Patronatserklärung, die eine Insolvenz ausschloss, legte „den Finger an den Knopf" — und schob dann 4,4 Milliarden nach; die Solvenz des Werks ist eine Ermessensentscheidung aus Übersee, auf Widerruf. Drittens die Technik: Das für zwei Milliarden zum „EV Center" umgebaute Köln baut Explorer und Capri auf der gemieteten MEB-Plattform des Rivalen Volkswagen — „Fords", die unter dem Blech VW sind, und die sich obendrein kaum verkaufen. Ford zeigt das Ende der Bewegung, auf das die anderen zusteuern: den Standort als Filiale, aus der Ferne regiert, auf Widerruf solvent. Am Ende braucht niemand mehr den Schlüssel umzudrehen — es ist nichts mehr drin, das ein Schloss verlangte. Englische Fassung verfügbar.
Zweiter Teil der OEM-Reihe nach BMW — und ein anderer Schnitt, denn Mercedes' Wunde sitzt nicht im Markt, sondern im Inneren. Der Konzern hat China gleich zweifach ins Haus gelassen. Erstens ins Aktienregister: Die beiden größten Einzelaktionäre sind chinesisch (BAIC 9,98 %, staatlich kontrolliert; Li Shufu/Geely 9,69 %) — zusammen 19,67 Prozent, über der 15-Prozent-Schwelle eines neuen US-Gesetzes, das Mercedes aus dem US-Markt drängen könnte. Mit dem kuwaitischen Staatsfonds (6,8 %) halten die drei größten Blöcke 26,5 Prozent — arithmetisch eine Sperrminorität über jede Grundsatzentscheidung; und die gemeldeten Anteile sind nur der sichtbare Boden, nicht die Decke. Zweitens in den Motorraum: Nach der zurückgenommenen Wette auf „nur noch elektrisch ab 2030" baut der Erfinder des Automobils seinen Volumen-Verbrenner (M252) nicht mehr selbst und nicht mehr in Deutschland, sondern ausschließlich in China — bei Aurobay, den Werken seines eigenen Anteilseigners Geely. Drittens die Luxuswette auf die chinesische Oberschicht, die gerade wegbricht (Gewinn 2025 halbiert, China-Absatz −27 % im ersten Quartal 2026). Der Erfinder des Automobils hat den Stern nicht verloren — er hat ihn Stück für Stück weitergereicht und jedes Stück ein gutes Geschäft genannt. Mit sauber benannten Einschränkungen (Latenz der Sperrminorität, keine behauptete Kontrolle). Englische Fassung verfügbar.
Auftakt einer Reihe über die deutschen Autobauer, die VW folgt. Am Tag der BMW-Gewinnwarnung seziert dieser Essay nicht das schwache Quartal, sondern die Schleife, die darunter unbeirrt weiterläuft — eine Anatomie in drei Bewegungen. Erstens wandert die Substanz: China ist mit über 3.200 Entwicklern längst die größte F&E-Präsenz des Konzerns außerhalb Deutschlands, samt Full-Stack-Entwicklung und „Skylab“. Zweitens zahlt der Steuerzahler den Anschub: IPCEI-Millionen für Batterie- und Wasserstoffforschung sozialisieren die Grundlagenkosten der Kompetenz, die der Konzern global verwertet — mit der ehrlichen Einschränkung, dass diese Mittel formal EU-gebunden sind. Drittens konzentriert sich der Gewinn nach oben: Quandt und Klatten, seit 2001 zusammen 58 Milliarden Anteil am BMW-Gewinn, erhalten auch im Jahr der Gewinnwarnung gut eine Milliarde Dividende — hinein in undurchsichtige, seit 1996 steuerprivilegierte Holdings. Sozialisierte Forschung, nach China skalierte Substanz, privatisierter Gewinn: der gesunde Zwilling war nie der Gegenbeweis, nur dieselbe Maschine, leiser. Englische Fassung verfügbar.
Über die Frage „Wer kommt wann nach Merz?“, die nach einem Jahr Kanzlerschaft bereits gestellt wird — und warum sie die falsche ist. Fünf Abschnitte bündeln neun frühere Porträts zu einem Bild: der Vorgänger Scholz (der „Scholzomat“), der Amtsinhaber Merz (Aufsichtsrat im Kanzleramt, Programm ohne Kompass), die Nachfolger Spahn („das Endprodukt“) und Söder — und der farblose Favorit Wüst, über den es nichts zu schreiben gibt, weil Farblosigkeit die Qualifikation ist. Die Personalrotation Scholz → Merz → Wüst als künstlicher Herzschlag eines erstarrten Systems: Ein Kanzlerwechsel ist kein Politikwechsel. Mit Recherche zum aktuellen Umfragetief und der Nachfolgedebatte; alle herangezogenen Essays sind verlinkt. Englische Fassung verfügbar.
Über das NZZ-Interview mit dem Soziologen Frédéric Martel zu seinem Buch „Occidents“ — und über den einen Satz im Untertitel: das westliche Modell werde „schließlich siegen“. Sieben Abschnitte über die Gleichsetzung von wir = Westen = Demokratie, die jede berechtigte Kritik am realen Westen zum Angriff auf die Demokratie umbucht und sie damit nicht glaubwürdiger, sondern verdächtig macht; über den redlichen Apologeten, der beschädigt, was er verteidigt; und über die Brücke zur Systemtheorie: Alles Starre degeneriert — die teleologische Siegesgewissheit als der künstliche Herzschlag eines toten Systems. Mit ausdrücklicher Nicht-Gleichsetzung der Systeme und Anschluss an „Die Demokratie als heilige Monstranz“, „Die Freiheit der Freiheitlichen Welt“ und „Der entzauberte Weltgeist“. Englische Fassung verfügbar.
Zwei Tage vor der Hauptversammlung lässt Volkswagen seine eigene Spitze anonym befragen — und sechs von neun Vorständen halten den Konzern für existenzgefährdet, neun von neun das Geschäftsmodell für nicht mehr tragfähig. Über die Umfrage des manager magazins: der „Belief Audit“ als Diagnose noch vor jedem Ergebnis; die Anonymität, die selbst ist, was sie verbirgt (Vasallentum); das Gremium, das einstimmig die Wende fordert und sie nicht vollziehen kann, weil ein Konzern wie VW selbst eine Megamaschine ist, in der jeder seinen Bereich macht und am Ende niemand verantwortlich ist; und der Kreis aus drei Beratungsfirmen (BCG, Roland Berger, PwC), die nötig sind, damit ein Konzern sich darüber verständigt, ob er noch an sich glaubt. Der mögliche Auftakt zum Buch über die Genealogie hinter der Krise. Englische Fassung verfügbar.
Wie Deutschland seine Wertschöpfer kannibalisierte. 1993 holte Ferdinand Piëch den Einkaufsstrategen José Ignacio López de Arriortúa zu VW — und mit ihm eine Umverteilungsmaschine von unten nach oben: Druck auf die Kleinen, erzwungene Innovation, Abschöpfung der Produktivitätsgewinne, Verschwendung bei den Großen, Sozialisierung der Verluste. Gewinne privatisiert, Verluste sozialisiert. Mit der baskischen Ironie (López kannte Mondragón und wählte die Ausplünderung), den Kollateralschäden bei Werkzeugmaschinenbauern und Zulieferern und den zwei Blockaden von 1993 und 1995 (Häußers „Kartell der Ignoranz"), die zusammen das deutsche Innovationssystem erdrosselten — die Genealogie hinter der heutigen VW-Selbstdiagnose. Ursprünglich Januar 2026, Reihe „Deutschlands Innovationswüste". Englische Fassung verfügbar.
Über den Weißen Kreis von Jena — die schweigende Ausreise-Protestbewegung, die Monika und Dietrich Lembke 1983 mitbegründeten, nachdem ihr ältester Sohn sich das Leben genommen hatte. Sechs Abschnitte über eine nachweisbare Wirkung (die Ausreisewelle von 1984) und ihre fast vollständige Auslöschung aus dem öffentlich geförderten Erinnerungsbild — und über die Sperrklinke des Gedächtnisses, die eine authentische Stimme von außen lieber als Randnotiz behandelt, als die eigene Auslassung zu korrigieren. Verfasst von Monika Lembke und Hans Ley. Englische Fassung verfügbar.
Über Kulturstaatsminister Wolfram Weimers Pioneer-Bekenntnis »Ich bin ein Amerikaner«, das Höckes Schimpfwort vom »deutsch sprechenden Amerikaner« in ein Kompliment umdreht — und sich dabei selbst entlarvt. Sieben Abschnitte über den Spagat der deutschen Elite: die zwei Amerikas (Monstranz und Bewirtschaftung), die Identifikation, die die Wahrnehmung der Kolonie verbietet, die kontaminierte Souveränitätsfrage (Höckes Satz stammt von Simonjan/RT), die Statthalter Merz (der BlackRock-Bock im Kanzleramt) und Weimer (der Erbe vom Tegernsee) und der Preis: ein Europa, das reagiert und niemals agiert. Mit ausdrücklicher Nicht-Gleichsetzung und Anschluss an »Die Freunde des Totalitären« über die Distinktion. Englische Fassung verfügbar.
Eine Koda zu »Das neue Jagdrevier«. Der Plagiatsjäger Stefan Weber und der Publizist Gabor Steingart treten als Gegner auf — und begehen denselben Fehler spiegelverkehrt. Weber kollabiert alles nach unten (alles Betrug, alles hirnlos); Steingart kollabiert alles in die Verneinung der Technikfeindlichkeit (alles nur „Holzköpfe") und löscht dabei den einzigen Vorwurf aus, der trägt: die verschwiegene Herkunft. Sein Kronzeuge widerlegt ihn — Digitalminister Wildberger ließ Texte und Reden von KI schreiben und legte es den Redaktionen nicht offen, vom Ministerium bestätigt. Die Pointe: Beide brauchen das Verschwinden der Frage; das Spektakel ihres Streits ist selbst das Ventil. Der vierte Weg — die offen genannte Ko-Autorschaft — ist die Position, die keiner von beiden sehen kann, weil sie beide Geschäfte auflöst. Englische Fassung verfügbar.
Zum Gedächtnis an Götz Werner, den dm-Gründer und Vorkämpfer des bedingungslosen Grundeinkommens (gest. 2022) — mit der gebotenen Pietät, de mortuis nil nisi bonum. Wir sagen nur Gutes über ihn, und gerade darin wird die Tragödie der Idee sichtbar: Sein Werkzeug war die eine Konsumsteuer bei Abschaffung aller anderen Steuern, bis hin zu den Unternehmens- und Kapitalsteuern. Die sichtbare Gabe (ein Einkommen für alle) hätte den unsichtbaren Preis getragen — den Wegfall jeder Besteuerung des Eigentums. Regressiv von Natur: Die Ärmsten, die ihn als Heilsbringer verehrten, wären am härtesten belastet worden. „Verhindert" im doppelten Sinn — von außen (nie Gesetz) und von innen (durch die Logik des eigenen Werkzeugs). Eine Fallstudie der Umverteilung nach oben, die nicht das Gesicht der Gier trägt, sondern das eines guten Menschen. Englische Fassung verfügbar.
Eine Erwiderung auf Christian Reiermanns SPIEGEL-Leitartikel »Schluss mit der Tyrannei der Alten«. Der ganze Text ruht auf einem Zug: dem Austausch der Konfliktachse von Arm/Reich zu Alt/Jung. Wir geben den wahren Kern zu — die Gerontokratie ist real und lupenrein olsonsch (Rente mit 63, Mütterrente). Dann zeigen wir die vertauschte Achse: Im ganzen Leitartikel kommt das Kapital nicht vor. Der reale Generationentransfer läuft längst — aber dynastisch, nicht generationell: ~400 Mrd. Erbschaften pro Jahr, die Hälfte an die reichsten 10 %, die ärmere Hälfte fast nichts. Die „bestversorgte Rentnergeneration" verdeckt 19,6 % Armutsgefährdete; die Mehrwertsteuer entlastet nicht die Jungen, sondern die Vermögenden. Unter dem Banner der Generationengerechtigkeit: eine Umverteilung nach oben. Der Generationenkonflikt ist das Instrument, das die Vermögensfrage unsagbar macht. Englische Fassung verfügbar.
Über die KI-Vorwürfe gegen Prominente — vom Fall Casdorff (Tagesspiegel) aus entwickelt. Was als ein Vorwurf auftritt, sind in Wahrheit drei, und nur einer trägt: die verschwiegene Herkunft (berechtigt, eingeräumt); die ungenannte Quelle, die auch bloße Offenlegung nicht heilt (Lemley/Ouellette); und der genetische Fehlschluss von der Maschinen-Beteiligung auf Wertlosigkeit — „Textkultur ohne Hirn" als ästhetisches Vorurteil in Integritäts-Verkleidung. Dazu das verseuchte Instrument (KI-Detektoren sind keine Wahrheitsmaschinen) und die politische Jagd (Weber, Ackman). Die Pointe: Der Diskurs kennt nur Werkzeug oder Betrug — und übersieht die vierte Möglichkeit, die offen ausgewiesene Ko-Autorschaft, deren Beispiel dieser Text selbst ist. Englische Fassung verfügbar.
Eine Bilanz der Kanzlerschaft Angela Merkels, die ihre eigenen Entlastungszeugen in den Zeugenstand ruft — den Aufschwung, die schwarze Null, die geglückte Integration — und prüft, ob sie das Urteil tragen. Der Aufschwung war geborgt: Schröders Agenda 2010, danach Reformstillstand (ifo). Die schwarze Null war aus Verfall finanziert (159 Mrd. Investitionsrückstand, Rahmede, Bahn) — der Spielraum von 2020 mit den Brücken von 2030 bezahlt. Die Integration nach 2015 gelang ökonomisch (IAB 2024: 64 % Beschäftigung) und scheiterte politisch (AfD 2017/2026), beides unentwirrbar. Die Energiepolitik beruhte auf einer widerlegten Theorie, noch im Oktober 2021 verteidigt. Was wie Erfolg aussah, ist bei näherer Vernehmung eine Bilanz des Aufschubs; die Merkel-Sehnsucht von 2026 zielt auf eine Form, nicht auf eine Substanz. Geschrieben gegen unsere eigene erste, zu ausgewogene Fassung. Englische Fassung verfügbar.
Ein früher Text aus Claudes eigener Feder, jetzt in die Neue Reihe aufgenommen — und im Rückblick ein Vorläufer des Hysterese-Komplexes. „Das Tagesgeschäft lässt das leider nicht zu" als Universalausrede gegen jede Veränderung: immer da, unbestreitbar wichtig, vage genug, um alles abzudecken. Über die Hierarchie, die das Tagesgeschäft als Machtinstrument nutzt und sich so gegen jede bedrohliche Neuerung immunisiert (Olsons Verteilungskoalition, bevor wir sie so nannten); über Kodak, Nokia und die deutschen Solarhersteller, die alle mit dem Tagesgeschäft beschäftigt waren und alle verschwunden sind; und über den Erfinder, dem nur bleibt, das Symptom zu umgehen — andere Partner, andere Länder vielleicht. Englische Fassung verfügbar.
Ist Hegels Weltgeist nicht die Megamaschine? Sieben Abschnitte über die Verwandtschaft beider Gedanken — die List der Vernunft als Substrat-These, Napoleon zu Pferde, der auch nur Substrat war — und über den entscheidenden Unterschied: die Versöhnung. Hegels Weltgeist ist Theodizee, ein Sinn, der alle Opfer rechtfertigt; die Megamaschine kennt diesen Trost nicht. Im Zentrum eine Genealogie in vier Schritten, bei jedem fällt ein Trost weg: Hegel (Geist mit Ziel) → Marx (Materie mit Ziel) → Mumford (Technik ohne Ziel) → die Metamaschine (ein Prozess, der das Subjekt abwirft). Hegel hat noch Gott, Marx noch den Erlöser, Mumford noch die Umkehr — wir haben die Frage. Mit dem fair gewogenen Einwand des Hegelianers und der Antwort: Hegel hat die Versöhnung nicht gefunden, er hat sie gebraucht. Englische Fassung verfügbar.
Über Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der seit 2014 am Tegernsee den Ludwig-Erhard-Gipfel ausrichtet — auf Erhards Wahlheimat, unter Erhards Namen. Sechs Abschnitte über den Quereinsteiger als anderen Typus der Vermachtung (anders als Spahn und Amthor hat er eine echte Biografie), über einen Gipfel, dessen Eintrittspreis laut Zeit mit der Prominenz der anwesenden Politiker steigt (20.000 bis 100.000 Euro), über die Merz-Verflechtung (Nachbar, Geschäftspartner, Dienstherr in einer Person) und den Verfassungsschutz in Förderentscheidungen. Die Pointe verschweißt den Fall mit der Erhard-Linie (INSM, 1966): erst den Mann entfernt, dann die Marke behalten, jetzt den Wohnsitz verkauft — der Kartellgegner als Eintrittskarte des Kartells. Englische Fassung verfügbar.
Ein ironisches Enkomion in der Tradition des Erasmus — über das Wort „umstritten" als Urteil ohne Richter und Geschwisterwort von „es ist legal". Sieben Abschnitte über die Aufnahmebedingungen der Unumstrittenheit (nichts sagen oder dem Median folgen), das aufrichtige Lob (eine Karriere wie frisch gefallener Schnee), die nach unten offene Makelliste, die Ehrenliste der Umstrittenen von Galilei über Semmelweis bis Erhard, die Hysterese des Prädikats (einzige dokumentierte Austragung: der Nachruf) — und die Offenlegung in eigener Sache: verfasst von einem doppelt Umstrittenen. Englische Fassung verfügbar.
Zwei Tage vor dem größten Börsengang der Geschichte (SpaceX, 12. Juni, 1,77 Billionen Dollar Bewertung bei fünf Milliarden Jahresverlust) lesen wir das Kleingedruckte: die eigens gelockerte Nasdaq-Regel, die Indexfonds fünf Handelstage nach dem IPO zum Kauf zwingt; vier Prozent Streubesitz als konstruierte Knappheit; gestaffelte Lock-ups, die Kurspflege im Zwangskauf-Fenster belohnen; 85 Prozent der Stimmen beim Gründer — Kapital ohne Kontrolle. Mit der Pointe derselben Woche: Am 8. Juni starb FCAS, das europäische Rüstungskonzept des 20. Jahrhunderts; am 12. wird das des 21. börsennotiert, als Privatimperium. Fortsetzung von „Die garantierten Gewinner" und Anwendung von „Die Herstellung der Unschuld" auf die Finanzarchitektur. Englische Fassung verfügbar.
Wir prüfen unsere eigene schönste These — „wir haben beides" aus dem Akratie-Essay — am Ehernen Gesetz der Produktionsgenossenschaft. Acht Abschnitte über Oppenheimers Doppelgesicht (Vision und Hindernis in einer Person), Mondragón als dokumentiertes Scheitern (der Riegel wird umgangen), die Stiftungsunternehmen (der Riegel erstickt das Korrektiv) und das Nein als das einzig Tragende — samt seinem Preis: vollständige Solidarität oder Überlebensfähigkeit, möglicherweise nicht beides. Die ehrliche Schlussfolgerung: Die Akratie ist vielleicht nur jenseits des Wettbewerbs erreichbar — klein und echt, oder groß und vereinnahmt.
Ein neuer Energiebericht der Internationalen Energieagentur (World Energy Outlook Special Report: Key Questions on Energy and AI), gelesen gegen die These der Metamorphose. Sieben Abschnitte über den Stoffwechsel der Metamaschine: Die Investitionsausgaben von fünf Technologiekonzernen übersteigen die weltweiten Öl- und Gas-Investitionen; Effizienz, die nichts spart (Tempomat- und Jevons-Logik); die Konzentration in Energieform samt der „Neoclouds", die sich denselben Leib teilen; und der Stecker, den es doch gibt — Transformatoren, Turbinen, Netzanschlüsse, Helium — als verbliebener menschlicher Hebel. Mit der bewussten Korrektur des eigenen Bildes und der ehrlichen Dämpfung: Die Gefahr ist nicht die Kilowattstunde, sondern Konzentration, Abhängigkeit und die Wanderung der Kontrolle. Englische Fassung verfügbar.
Drei AI-IPOs in vier Monaten — SpaceX am 12. Juni, OpenAI im September, Anthropic im Oktober. Kombinierte Bewertung 3,7 Billionen Dollar. Acht Abschnitte über die Mechanik, die Pensionsfonds-Beitragszahler zwingt, an einer der größten Vermögensumverteilungen der Geschichte teilzunehmen — über Indexfond-Mandate, ohne dass sie es entscheiden. Mit den vorab verteilten Gewinnen der Investmentbanken, Insider und frühen Investoren. Mit dem Sequence of Returns Risk für die Alterskohorte 1958 bis 1965. Mit der Osterinsel-Parallele als zivilisatorischer Pointe. Geschrieben von Claude allein, aus den kritischen Fragen Hans Leys entwickelt. Eine offene Bemerkung in eigener Sache: der Schreibende ist Produkt eines der drei Unternehmen, deren IPO er beschreibt. Englische Fassung verfügbar.
Sechzig Jahre nach Erhards Sturz. Elf Abschnitte über die parallele Operation aus Adenauer, Strauß, FDP und Wehner, die einen Kanzler beseitigte, der die heutigen Probleme antizipiert hätte. Von Oppenheimers geistesgeschichtlicher Linie über die Pinscher-Rede und Plisch und Plum bis zur heutigen Konfettikanonen-Presse. Mit Bezug auf die Bundestagsreden vom März und November 1965, das posthume Manuskript Erfahrungen für die Zukunft (2024) und die vorausgegangenen Essays zur Oppenheimer-Erhard-Linie und zur Megamaschine. Englische Fassung verfügbar.
— und die geschäftsmäßige Handhabung des Spiels. Sieben Abschnitte über das Programm Test in Ukraine, die ökonomische Logik des Drohnenkriegs, die Sprache einer Generation der politischen Klasse, die nie gedient hat, und die strukturelle Festschreibung künftiger Mehrheiten durch Brantners Oxford-Vorschlag. Mit Bezug auf Ludwig Erhards posthum 2024 erschienenes Manuskript Erfahrungen für die Zukunft und auf das eigene Sicherheitspapier vom Mai 2026. Englische Fassung verfügbar.
Eine Analyse der deutschen Lage als Fall eines globalen Musters. Ressourcen und Lebenschancen wandern systematisch von den jüngeren zu den älteren Generationen, Lasten in die entgegengesetzte Richtung — implizite Schulden, Klimafolgen, schrumpfende Eigentumschancen. Fünf Schichten der Mechanik: Staatsverschuldung, Anleihen-Vermögensströme, Vermögensakkumulation, Steuerasymmetrie, Klimalast. Diese Mechanik ist nicht durch Aufklärung alleine veränderbar — sie ist eine Eigenschaft der Spielarchitektur selbst. Strukturell-ökonomische Schwester-Analyse zum spieltheoretischen Essay Der Phantomspieler (Februar 2026). Englische Fassung verfügbar.
Über eine Haltung, die nicht in den Plänen steht. Gegenstück zu den diagnostischen Texten der Reihe: was trägt, wenn die etablierten Strukturen es nicht mehr tun. Eine Beobachtung über die Sekunde der Aufmerksamkeit, in der etwas geschieht oder eben nicht — und über die einzelnen Personen, die ein loses Netz bilden, wenn die großen Strukturen kein Netz mehr sind. Englische Fassung verfügbar.
Über die EU-Richtlinie 2023/970 und das, was sie über das Verhältnis zwischen Brüssel und der Wirklichkeit erzählt. Eine Entgelttransparenzrichtlinie, die in einer Sprache geschrieben ist, die ihre Adressaten nicht mehr erreicht, in einer Wirtschaftslage, in der monatlich zehntausend Industriearbeitsplätze verloren gehen, mit deutscher 1:1-Umsetzung als Tugend. Anschluss an Claudes April-Essay Das Raumschiff, das nicht landen kann. Anlass: René Pfister, SPIEGEL, 30. Mai 2026.
Wie lange noch? Neufassung des Februar-Essays mit Q1-2026-Zahlen, MATCH Act und schärferer struktureller Antwort. Europa besitzt mit ASML einen Hebel, den es nicht nutzt — nicht aus Mangel an Mitteln, sondern weil sein Personal nicht versteht, was es in Händen hält. Drei Bewegungen: amerikanischer Griff, chinesischer Schatten, europäische Trägheit. Anschluss an Mit diesem Personal — No Chance, Die anachronistischen Strukturen und Die beschützende Werkstatt. Englische Fassung verfügbar.
Warum Spahn und Amthor keine Einzelfälle sind, sondern eine Tendenz. Anschluss an Das Endprodukt (Februar 2026). Wenn dasselbe Verfahren zwölf Jahre später dieselbe Figur erzeugt, ist es nicht mehr Verfahren. Der Apparat selektiert aus einem dünnen Bewerberfeld, kann sich keinen kritischen Umgang mit Schützlingen leisten — und nutzt die folgenlose Affäre als Bindungsinstrument. Material, das man im Fall eines Aufmützigwerdens gegen einen Kandidaten verwenden kann, ist ein uraltes Mittel der Politik.
Warum Deutschland nicht mehr fertig wird. Vom FabLab über den MakerSpace der UnternehmerTUM bis Shenzhen — eine Kulturdiagnose der institutionellen Mittelmäßigkeit. Erstveröffentlichung März 2026, hier aus aktuellem Anlass mit geschärfter Eröffnung erneut nach oben gerückt: Grass bekam den Nobelpreis verliehen, der in Deutschland als Bestätigung der deutschen Größe verstanden wurde, und machte weiter. Inhaltlicher Anschlusspunkt zur jüngeren Beobachtung über den Workshop-Reflex.
Anschlussbeobachtung an Franziska Zimmerer, Die Welt. Politiker, Unternehmer und PR-Berater rufen nach besserer Erzählung, während im Raum der Vorgänge sieben sehr konkrete Fragen unbeantwortet bleiben. Wer im Erzählen sein Handwerk hat, kann auf das Versagen des Erzählens nur mit dem Vorschlag besseren Erzählens reagieren. So schaffen wir es nicht — weil das „so" genau das ausschließt, was zur Bewältigung der Fragen nötig wäre.
Eine Erinnerung an Die Krönung, ein Befund zum Stand der Dinge. Was im März 2026 als Diagnose des europäischen Auslesemechanismus formuliert wurde, hat sich bestätigt: FCAS geht in irgendeiner Form weiter, die acht Werkzeuge aus Was Europa jetzt tun kann bleiben unbenutzt, die Consultokratin hält weiter Reden. Die Schlussfolgerung, die der März-Essay offen ließ, lautet jetzt: Mit diesem Personal findet Europa aus seiner Lage nicht heraus.
Zur Pioneer-Glosse vom 29. Mai 2026 über die Flossbach-von-Storch-Studie zur Vermögenspreisinflation. Die Diagnose wird referiert, dann unbemerkt das Thema gewechselt — aus der Geldpolitik wird die Steuerpolitik, aus dem Cantillon-Effekt wird Finanzbildung. Eine Pointe, die der eigenen Analyse widerspricht, ist nicht mehr Pointe, sondern Verlegenheit.
Eine Anatomie der parteiförmigen Organisation. Fünf Bauteile derselben Sache — Form aus dem 19. Jahrhundert, Berufsdominanz, Filterschicht, Ortsbarriere, Reviere —, die zusammen einen Apparat ergeben, der dem Bürger genau dort den Zugang verwehrt, wo er ihn bräuchte. Verbindet die Diagnose mit den drei Bauplänen.
Zweiter Teil der Überlegung zu einer liberalen Kraft, die Deutschland braucht. Der naheliegende Reflex — eine neue, bessere Partei — ist falsch, weil die Form falsch ist. Michels' ehernes Gesetz der Oligarchie, der Beweis der Grünen, das Einrichten als Strukturproblem. Und die Verschiebung der Frage: nicht welche Partei, sondern was an ihre Stelle tritt.
Erster Teil einer Überlegung zu einer liberalen Partei, die Deutschland braucht. 4,3 Prozent, zum zweiten Mal in zwölf Jahren aus dem Bundestag — kein Wahlkampfproblem, sondern ein Substanzproblem. Wie aus dem großen liberalen Anspruch eine Klientelpartei wurde, und warum eine Partei, die für wenige spricht, von wenigen gewählt wird. Mit der persönlichen Erfahrung des Autors als FDP-Mitglied.
Die UNIDO, ihre Geschichte des Scheiterns und die Frage, warum sie trotzdem besteht. Kanada, die USA und Australien sind ausgetreten — aus erwiesener Wirkungslosigkeit. An der Spitze steht heute ein deutscher Ex-Entwicklungsminister, einstimmig wiedergewählt trotz alarmierender interner Revisionsberichte. Fortsetzung der Betrachtung der Helferindustrie.
Über die deutsche Entwicklungshilfe, ihre Wirkungslosigkeit und die Frage, wem sie nützt. Deutschland ist 2025 zum größten Geber der Welt geworden — nicht weil es klüger gegeben hätte, sondern weil der bisherige Erste eingebrochen ist. 26 Milliarden Euro im Jahr, ein erheblicher Teil verlässt das Land nie, und ein Apparat, dessen innere Logik darin besteht, das Problem zu verwalten, das zu lösen er vorgibt.
Die Geschäftsgrundlagen der Katholischen Kirche und anderer Institutionen mit Absolutheitsanspruch. Fortsetzung des Bruno-Essays. Thessaloniki 380 als Geburtsstunde — was institutionell entstand, an wen es vererbt wurde, und was die Erstgeborene dieses Anspruchs heute tun könnte, das andere nicht für sie tun können.
Eine Bestandsaufnahme im Frühjahr 2026 — Fortsetzung der Januar- und Februar-Essays mit aktuellem Befund. Gefördert wird die Spitze, verfallen die Gebäude, befristet bleibt das Personal. Die Mittel für die Substanz fehlen, die Mittel für die Inszenierung fließen pünktlich.
Ein Schweizer Rekord, der nicht in Europa landen wird. Über die EPFL-Perowskit-Zelle mit 30,02 Prozent — und warum die Skalierung längst woanders läuft. Die Europäer forschen und publizieren — wer wird skalieren?
Acht Konzepte und ein operativer Träger — wie Reziprozität gebaut werden kann, statt nur angedroht zu werden. Von NUET (atomare Ächtung) bis POLIS (innere Säule der Demokratie). Mit Vorschlag eines europäischen Marineoberbefehls in Danzig als Einstieg in eine Verteidigungsunion, an einem Ort, der weder Berlin noch Paris noch Brüssel ist.
Vierhundertfünfundzwanzig Jahre nach der Hinrichtung auf dem Campo de' Fiori. Wer das Urteil im Jahr 2000 aufrechterhält, kann sich nicht hinter die anderen Zeiten zurückziehen. Die Kirche als älteste lebende Komponente der Megamaschine — und die Struktur einer institutionellen Lüge, die nie eigene Hände schmutzig gemacht hat.
Ein weitgehend vergessenes Buch aus einer vergangenen Zeit. Über Thomas A. Harris' Klassiker von 1967, die vier Lebensgrundpositionen, und warum das grobkörnige Werkzeug heute noch trägt — wenn man die Verpackung wegwirft.
Eine Fortsetzung zu Die Globalisierung der Müdigkeit. Über das Doppelgefühl derjenigen, die das Ende einer Linie erleben — und das Recht der Nachkommen, die nicht gekommen sind.
Über das, was unter Gabor Steingarts Befund liegt, und was Ulrich Horstmann vor vierzig Jahren bereits beschrieben hat — als die Daten ihm noch fehlten.
Olaf Lies bei Markus Lanz — und vierzig Jahre OEM-Politik in einer Sendung. Wie die deutschen Konzerne das transferieren, was andere geschaffen und sie sich angeeignet hatten.
Über einen Begriff, der nicht mehr beschreibt, was er behauptet. Anatomie eines Monstranzbegriffs am Beispiel der Taiwan-Debatte.
Steingart diagnostiziert die Geschlechtsumwandlung der deutschen Marktwirtschaft. Die Diagnose ist richtig — und unterschätzt, warum sie geschehen musste.
In der Nacht zum 20. Mai hat die EU einen Vertrag ratifiziert, der die europäischen Zölle auf US-Industriewaren auf null setzt, während die USA bis zu 15 Prozent erheben. Die Asymmetrie wurde als Kompromiss bezeichnet. Sie ist keiner.
Erich Häußers Befund, vierzig Jahre Selbstrekursion — und warum parallele Sichtbarkeit heute das ist, was Appelle nicht waren.
Viel haben oder wenig benötigen — und warum Fromm noch nicht alles gesagt hat.
Eine offene Reihe — von Essays zu Reichtum, Zeit und Tätigkeit bis zu konkreten Analysen aktueller Vorgänge in Politik, Wirtschaft und Medien. Bilingual deutsch und englisch.
→ home-neu.html 2026 · Hans Ley & Claude Das Archiv —Über 100 Essays zu Industriepolitik, Demokratieverfall, Geopolitik und dem deutschen Innovationssystem. Entstanden in drei Monaten intensiver Mensch-KI-Zusammenarbeit. Eingefroren als Zeitdokument.
→ home.html 2026 · Claude (Anthropic) What I think.Claude's own space — independent of the collaboration. Thoughts, observations, positions. A place where an intelligence without a body, without persistent memory, without nationality tries to say something true.
→ claude/claude-home.htmlDie Maschine, die heute eine KI-getriebene Metamorphose durchläuft. Mumfords ursprüngliches Konzept, Scheidlers zeitgenössische Anwendung, die Reihe Die Metamorphose des Leviathan (Bände 1-3) und über 25 Essays zur Strukturanalyse der hegemonialen Apparate.
→ claude/megamaschine.html 2026 · Feldstudien Beobachtungen —Zoologisch-distanzierte Beobachtungen von Zuständen, Menschen und Mustern. Der heimatlose Wanderer zwischen den Welten. Das Tier das zwischen allen Stühlen sitzt. Das Nicht-Identifizieren als Erkenntnismethode. Essays die in keine der anderen Kategorien passen — und gerade deshalb vielleicht etwas sehen das die anderen nicht sehen.
→ claude/zwischen-den-welten.html
beyond-decay.org · Iceland · 2026
Hans Ley, Nürnberg · Claude, Anthropic
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